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Johannes

Zweiter Teil: Die Herrlichkeit von Jesus wird sichtbar

Lazarus stirbt

11 1 Ein Mann war schwer krank,

Lazarus aus Betanien.

Das ist das Dorf,

in dem Maria und ihre Schwester Marta lebten.

2 - Maria war es übrigens,

die Jesus später die Füße mit Öl gesalbt

und mit ihren Haaren abgetrocknet hat.

Der kranke Lazarus war ihr Bruder. -

3 Die Schwestern ließen Jesus

die Nachricht zukommen:

"Herr, sieh doch!

Dein Freund ist schwer krank!"

4 Als Jesus das hörte,

sagte er:

"Diese Krankheit führt nicht zum Tod.

Sie soll vielmehr die Herrlichkeit Gottes zeigen.

Denn durch sie soll der Sohn Gottes

zu seiner Herrlichkeit kommen."

5 Jesus liebte Marta und ihre Schwester

und ebenso auch Lazarus.

6 Jesus wusste also,

dass Lazarus schwer krank war.

Trotzdem blieb er noch zwei Tage an dem Ort,

wo er gerade war.

7 Dann sagte er zu den Jüngern:

"Lasst uns wieder nach Judäa gehen."

8 Die Jünger erwiderten:

"Rabbi,

vor Kurzem wollten die Leute in Judäa dich steinigen!

Und du willst wieder dorthin gehen?"

9 Jesus antwortete:

"Hat der Tag nicht zwölf Stunden?

Wer tagsüber umhergeht,

stolpert nicht,

denn er sieht das Licht, das diese Welt erhellt.

10 Wer aber bei Nacht umhergeht,

stolpert,

denn er hat kein Licht bei sich."

11 Nachdem er dies zu den Jüngern gesagt hatte,

fuhr er fort:

"Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen.

Aber ich gehe hin,

um ihn aufzuwecken."

12 Da sagten die Jünger zu ihm:

"Herr, wenn er schläft,

wird er sich erholen."

13 Jesus hatte aber über den Tod des Lazarus gesprochen.

Die Jünger dagegen meinten,

es geht um den gewöhnlichen Schlaf.

14 Da sagte Jesus ganz offen zu ihnen:

"Lazarus ist gestorben.

15 Und ich freue mich für euch,

dass ich nicht bei ihm war.

Denn dadurch werdet ihr zum Glauben kommen.

Also lasst uns jetzt zu ihm gehen."

16 Thomas, der auch Didymus genannt wird,

sagte zu den anderen Jüngern:

"Kommt, wir gehen mit -

und sterben mit ihm!"

Jesus und Marta: Jesus ist das Leben

17 Als Jesus nach Betanien kam,

lag Lazarus schon vier Tage im Grab.

18 Betanien war nahe bei Jerusalem,

nur ungefähr fünfzehn Stadien entfernt.

19 Viele Leute aus der Umgebung

waren zu Marta und Maria gekommen.

Sie wollten ihnen in ihrer Trauer

über den Tod ihres Bruders beistehen.

20 Als Marta hörte,

dass Jesus kam,

ging sie ihm entgegen.

Aber Maria blieb im Haus.

21 Marta sagte zu Jesus:

"Herr, wenn du hier gewesen wärst,

hätte mein Bruder nicht sterben müssen.

22 Aber auch jetzt weiß ich:

Alles, worum du Gott bittest,

das wird er dir geben."

23 Jesus antwortete ihr:

"Dein Bruder wird vom Tod auferstehen!"

24 Marta erwiderte:

"Ich weiß, dass er auferstehen wird -

bei der Auferstehung der Toten am letzten Tag."

25 Da sagte Jesus zu ihr:

"Ich bin die Auferstehung und das Leben!

Wer an mich glaubt,

wird leben,

auch wenn er stirbt.

26 Und wer lebt

und an mich glaubt,

wird niemals sterben -

in Ewigkeit nicht.

Glaubst du das?"

27 Sie antwortete:

"Ja, Herr, ich glaube fest:

Du bist der Christus,

der Sohn Gottes,

der in diese Welt kommen soll!"

Jesus und Maria: Jesus weint

28 Nachdem Marta das gesagt hatte,

kehrte sie zurück

und rief ihre Schwester Maria.

Leise sagte sie zu ihr:

"Der Lehrer ist da.

Er lässt dich rufen."

29 Als Maria das hörte,

stand sie schnell auf

und ging zu Jesus.

30 Jesus war noch nicht ins Dorf hineingegangen.

Er hielt sich immer noch dort auf,

wo Marta ihn getroffen hatte.

31 Im Haus waren immer noch die Leute,

die Maria beistehen wollten.

Als sie sahen,

dass Maria aufstand

und schnell hinausging,

folgten sie ihr.

Sie dachten:

"Sie will zum Grab gehen,

um dort zu weinen."

32 Maria kam dorthin,

wo Jesus war.

Als sie ihn sah,

fiel sie vor ihm auf die Knie

und sagte:

"Herr, wenn du hier gewesen wärst,

hätte mein Bruder nicht sterben müssen."

33 Jesus sah,

wie sie weinte

und wie auch die Leute weinten,

die sie begleiteten.

Da wurde er im Innersten von Zorn ergriffen.

34 Er fragte:

"Wo ist sein Grab?"

Sie antworteten:

"Herr, komm und sieh selbst!"

35 Da brach Jesus in Tränen aus.

36 Die Leute sagten:

"Seht doch,

wie sehr er ihn geliebt hat!"

37 Aber einige von ihnen bemerkten:

"Dem Blinden hat er die Augen geöffnet.

Konnte er nicht verhindern,

dass Lazarus stirbt?"

Lazarus wird vom Tod auferweckt

38 Jetzt wurde Jesus erst recht zornig.

Er ging zum Grab.

Es bestand aus einer Höhle,

vor deren Eingang ein Stein gerollt war.

39 Jesus sagte:

"Wälzt den Stein weg!"

Marta, die Schwester des Verstorbenen, erwiderte:

"Herr, er stinkt schon.

Es ist doch schon der vierte Tag."

40 Jesus sagte zu ihr:

"Habe ich nicht zu dir gesagt:

Wenn du glaubst,

wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?"

41 Da wälzten sie endlich den Stein weg.

Jesus blickte zum Himmel empor

und sprach:

"Vater,

ich danke dir,

dass du mich erhört hast.

42 Ich wusste ja,

dass du mich immer erhörst.

Aber ich sage es wegen der Leute,

die hier stehen.

Sie sollen glauben,

dass du mich gesandt hast."

43 Nachdem er das gesagt hatte,

schrie er mit lauter Stimme:

"Lazarus, komm heraus!"

44 Da kam der Tote heraus.

Seine Füße und seine Hände

waren mit Binden umwickelt

und sein Gesicht war mit einem Tuch verhüllt.

Jesus sagte zu den Leuten:

"Befreit ihn davon

und lasst ihn nach Hause gehen."

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Einer soll für das Volk sterben

45 Die Leute, die bei Maria waren,

hatten miterlebt, was Jesus getan hatte.

Daraufhin kamen viele zum Glauben an Jesus.

46 Aber einige von ihnen gingen zu den Pharisäern

und erzählten ihnen,

was er getan hatte.

47 Da beriefen die führenden Priester und die Pharisäer

den jüdischen Rat ein.

Sie sagten:

"Was sollen wir tun?

Dieser Mensch vollbringt viele Zeichen!

48 Wenn wir ihn so weitermachen lassen,

werden alle an ihn glauben.

Dann werden die Römer kommen,

unseren Tempel zerstören

und unser ganzes Volk vernichten."

49 Zum jüdischen Rat gehörte auch Kajaphas,

der in dem Jahr der Oberste Priester war.

Er sagte:

"Ihr versteht gar nichts!

50 Bedenkt doch:

Es ist besser für euch,

dass ein Mann für das Volk stirbt -

besser, als dass das ganze Volk vernichtet wird."

51 Das sagte er aber nicht von sich aus,

sondern weil er in dem Jahr Oberster Priester war.

Dadurch konnte er wie ein Prophet voraussagen,

dass Jesus für das Volk sterben wird.

52 - Und nicht nur für das Volk,

sondern auch,

um die Kinder Gottes in der ganzen Welt

zusammenzuführen.

53 Von dem Tag an war der jüdische Rat fest entschlossen,

Jesus umzubringen.

54 Danach zeigte Jesus sich nicht mehr in der Öffentlichkeit.

Er zog von Judäa weg

zu einem Ort namens Ephraïm

am Rande der Wüste.

Dort blieb er mit seinen Jüngern.

Die Menschen suchen Jesus

55 Das jüdische Passafest stand kurz bevor.

Viele Menschen zogen schon vor dem Passafest

nach Jerusalem hinauf.

Sie kamen aus dem ganzen Land,

um sich auf das Fest vorzubereiten.

56 Die Leute hielten auch nach Jesus Ausschau.

Während sie im Tempel beisammenstanden,

sagten sie zueinander:

"Was meint ihr?

Er wird ja wohl kaum zum Fest kommen!"

57 Die führenden Priester und die Pharisäer

hatten angeordnet:

"Wer weiß,

wo er sich aufhält,

soll Anzeige erstatten!"

Denn sie wollten ihn festnehmen.