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Fragenpool rund um die Bibel
- Woher kommt der Begriff "Bibel"?
- Wann wurde die Bibel geschrieben?
- Warum sind manche Texte der Bibel so schwer zu verstehen?
- Sind die Geschichten der Bibel auch wirklich passiert?
- Warum wird die Bibel heute nicht mehr weiter geschrieben?
- Warum lesen wir das Alte Testament noch?
- Was sind die "Apokryphen"?
- Warum gibt es soviel Gewalt in der Bibel?
- Hat Gott die Bibel geschrieben?
- Wurde die Bibel von Anfang an auf Papier geschrieben?
- Was bedeutet der Begriff "Evangelium"?
- Warum gibt es in der Bibel 4 Evangelien?
- Woher kommen die Begriffe "Altes/Neues Testament"?
- Woher kommen Kapitel und Verse in der Bibel?
- In wie viele Sprachen wurde die Bibel übersetzt?
- Warum gibt es verschiedene Bibelübersetzungen?
- Wozu braucht man neue Bibelübersetzungen?
Der Begriff "Bibel" kommt ursprünglich aus dem Griechischen (βυβλος). Dort bezeichnete er zunächst die Papyrusstaude. Als man später damit begann, aus dieser Papyrusstaude Schreibmaterial herzustellen, weitete sich die Verwendung des Begriffs aus. Er stand dann sowohl für die "Papierrolle" als auch für das "Buch", das man aus diesen Papierstreifen herstellte. Über das Lateinische "biblia" gelangte das Wort ins Deutsche und meint dort schlicht und einfach "das Buch".
Was die Entstehungszeit eines Buches anbelangt, ist die Bibel rekordverdächtig. Denn ihre Texte sind über einen Zeitraum von über 1000 Jahren hinweg entstanden! Sie wurde nicht an einem Stück und von einem Autor geschrieben. Viele Menschen zu ganz unterschiedlichen Zeiten haben Texte aufgeschrieben, die nach und nach in der Bibel zusammengefasst wurden. Die Bibel ist so aus vielen verschiedenen Stücken zusammengewachsen, wie ein Flickenteppich. Die ersten Texte entstanden vermutlich um 700-800 v. Chr., die jüngsten Texte im Neuen Testament erst im 2. Jahrhundert n. Chr. (s. Einsteigen/Entstehung der Bibel).
Mit manchen Texten der Bibel tun wir uns schwer. Das hat meistens damit zu tun, dass wir in einer ganz anderen Zeit leben als die Menschen damals. Halten wir uns nur einmal kurz vor Augen, was sich in den letzten 2000 Jahren alles verändert hat! Die Menschen damals kannten noch keine Autos, keine Computer, keine Großstädte, keine Erklärung der Menschenrechte, keine Umweltprobleme. In vielen Dingen leben wir heute sozusagen in einer anderen Welt. Wenn ein Mensch in 2000 Jahren Geschichten aus unserer Zeit lesen wird – wird er sie verstehen? Wer die Bibel liest, muss sich deshalb im Klaren sein über den großen Graben der Geschichte, der uns heute von diesen Texten trennt. Um sie richtig verstehen zu können, braucht man deshalb oft viel Hintergrundwissen über die damalige Zeit. Wie haben die Menschen der Bibel gelebt? Welche Ideen, Vorstellungen und Werte haben sie geprägt? Welche Probleme hatten sie? Welche großen geschichtlichen Ereignisse haben sie erlebt?
Dass manche Bibeltexte schwierig zu verstehen sind, kann aber auch an einer Übersetzung liegen, die sehr nahe am Urtext bleibt oder eine altertümliche Sprache benutzt.
Das ist eine schwierige Frage. Beispiel Schöpfungsgeschichte: Aufgrund heutiger naturwissenschaftlicher Erkenntnisse gehen nur noch wenige Menschen davon aus, dass die Erde tatsächlich in sechs Tagen erschaffen worden ist. Steht aber so in der Bibel. Ist der Schöpfungsbericht deshalb eine Lüge? Wohl nur, wenn man ihn als historischen Tatsachenbericht liest, was er aber wohl gar nicht sein will. Er schildert z.B. wie Gott das Licht am ersten Tag durch sein Wort geschaffen hat (1 Mose/Genesis 1,3-5). Erst am vierten Tag erschafft er Sonne, Mond und Sterne, die den Tag und die Nacht voneinander trennen sollen (1 Mose/Genesis 1,14-19). Die Frage stellt sich: Was bedeutet es, wenn Gott Licht macht?
In diesem Text verbirgt sich eine Wahrheit des Glaubens. Sie besagt: Alles Leben verdankt sich Gott und Gott allein. Die Welt hat einen Grund und ein Ziel. Sie ist gut gedacht und zum Guten bestimmt. Das ist nicht abhängig von der Frage, ob Gott in sechs Tagen die Welt erschaffen hat oder nicht (und es ist auch nicht abhängig von der Frage, ob er es kann oder nicht). Es ist eine Wahrheit, die unsere Existenz berührt.
Das gilt für weite Teile der Bibel. Grundlegende Erfahrungen mit Gott werden in den verschiedensten Bildern und Formen ausgedrückt. Anstatt zu fragen: Sind solche für uns widersprüchlich scheinende Geschichten tatsächlich so passiert? ist es oft hilfreicher zu fragen: Welche Wahrheit will dieser Text vermitteln? Was will er mir sagen?
Die Texte der Bibel entstanden über einen langen Zeitraum hinweg. Sie wurden gesammelt und zusammengefasst. Dabei gab es keine endgültige Zusammenstellung der Bücher, die von allen Christen gleichermaßen anerkannt wurden. Für das Alte Testament galt von Anfang an die Bibel des Judentums (in der griechischen Übersetzung) als maßgeblich. Im Neuen Testament erlangten zunächst die vier Evangelien allgemeine Anerkennung, dann die Paulusbriefe. Einige Schriften wie z.B. die Offenbarung waren lange umstritten. Erst im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde die Endgestalt der Bibel festgelegt, der so genannten "Kanon". "Kanon" bedeutet "Richtschnur" und genau das sollte die Bibel sein: Eine Richtschnur für das noch junge Christentum, innerhalb dessen sich viele verschiedene Strömungen entwickelt hatten. Es drohte deshalb auseinander zu brechen. Um das Überleben zu sichern, um richtige und falsche Lehre voneinander trennen zu können, brauchte man eine feste Basis. Diese fand man in der Bestätigung der Schriften, die breite Anerkennung gefunden und sich im Gottesdienstgebrauch allgemein durchgesetzt hatten. Damit war die Bibel aber zugleich auch abgeschlossen. Bis heute ist sie in dieser Gestalt überliefert worden. So konnte sie zum verlässlichen Fundament der Kirche werden.
Manche Leute sagen: "Im Neuen Testament steht alles, was wir als Christen wissen müssen. Das Alte Testament brauchen wir nicht mehr."
Das ist falsch. Denn ohne das Alte Testament können wir das Neue nicht richtig verstehen. In beiden Teilen geht es um denselben Gott: Der Gott von Jesus Christus ist auch schon der Gott der Stammväter des Volkes Israel. Beide Testamente erzählen von der Liebesgeschichte Gottes mit seinem Volk. Die ersten Christen lebten mit den Texten des Alten Testaments. Sie bilden deshalb den Hintergrund für viele Vorstellungen und Bilder, die wir im Neuen Testament finden (z. B., dass Jesus der Messias ist). Das Alte Testament bildet somit den Boden, auf dem das Neue Testament gewachsen ist. Auf das Alte Testament können Christen deshalb nicht verzichten. Es hat seinen berechtigen Platz in der Bibel.
Die Apokryphen (= "verborgene Schriften"), auch deuterokanonische Schriften genannt, sind Texte, die aus den Jahrhunderten vor der Geburt Jesu stammen. In den hebräischen Textsammlungen des Alten Testaments sind sie nicht enthalten, man findet sie aber in deren griechischer Übersetzung, der so genannten "Septuaginta". Die Septuaginta entstand im 3. Jahrhundert v. Chr. Martin Luther hat gesagt, dass die Apokryphen zwar nicht zur eigentlichen Bibel gehören, aber dennoch "nützlich und gut zu lesen sind". Deshalb hat er sie seiner Bibelübersetzung beigefügt und sie zwischen das Alte und das Neue Testament gestellt. Auch in der Gute Nachricht Bibel sind die Apokryphen auf diese Weise angeordnet. Allerdings sind sie nicht in jeder Bibelausgabe enthalten. In der katholischen Einheitsübersetzung sind die Apokryphen dagegen an den entsprechenden Stellen in den Texten des Alten Testaments eingefügt. Die Apokryphen werden auf katholischer Seite zur Bibel dazugezählt.
Manche Texte in der Bibel sind voller Gewalt. Sie befremden uns. Da wird gemordet, erschlagen, aufgespießt, vergewaltigt und gesteinigt. Und manchmal geschieht das sogar ausdrücklich auf Gottes Befehl hin. Solche Texte bereiten uns Magenschmerzen. Wie sollen wir das verstehen?
Damals, im alten Israel, gehörte rohe Gewalt zur Tagesordnung – wie ja heute auch noch in vielen Teilen der Welt. Israel war ein kleines Volk, das oft von anderen Mächten beherrscht und unterdrückt wurde. Es wurde selbst immer wieder Opfer von Gewalt – bis in die jüngste Geschichte hinein. Das Alte Testament verschweigt nicht, dass es diese Gewalt gegeben hat – auch da, wo Israel zur Abwechslung einmal zu den Tätern gehörte. Die Bibel berichtet, dass Menschen vom Anfang der Schöpfung an in der Gefahr waren, sowohl Täter als auch Opfer von Gewalt zu werden. Das zeigt ganz eindringlich die Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel ermordet. Wir leben in einer Welt voller Gewalt. Die Bibel sieht das realistisch und spricht es an. Die Gewalt wird nicht einfach unter den Tisch gekehrt. Sie wird beim Namen genannt. Und möglicherweise zeigt sich darin auch schon der erste Schritt zu ihrer Überwindung. Denn nur was ausgesprochen wird, kann auch überwunden werden. Und die Bibel zielt auf die Überwindung von Gewalt. Das zeigt sich in Jesus Christus, der das Böse und die Gewalt ein für allemal überwunden hat.
Für Juden und Christen ist die Bibel das "Wort Gottes". Heißt das, dass Gott die Bibel Wort für Wort "diktiert" hat?
So kann man sich das wohl kaum vorstellen. Schon die Bibel selbst widerspricht dieser Ansicht (vgl. Lukas 1,3). Es waren Menschen, die die Texte der Bibel aufgeschrieben haben. Sie kamen aus verschiedenen sozialen Schichten und lebten zu ganz verschiedenen Zeiten. Ihre Texte sind von ihrer Herkunft geprägt. Deshalb ist die Bibel "Menschenwort". Doch wenn man in der Bibel liest und sich auf ihre Texte einlässt, kann man die erstaunliche Erfahrung machen: Hier spricht Gott zu mir! Mitten durch menschliche Worte hindurch! Gott hat keine eigene Geheimsprache. Er bedient sich menschlicher Worte und Gedanken. Deshalb ist die Bibel beides zugleich: Menschenwort und Gotteswort.
Nein, denn das Papier wurde erst 105 nach Christus erfunden! Früher verwendete man andere Materialien. Kurze Texte wie Notizen und Listen schrieb man auf Tonscherben (Ostraka), flache Steine, Wachsplättchen, Metallstücke oder auch Elfenbein. Für längere Texte – z.B. Berichte oder Gesetzessammlungen – wurde noch bis ins Mittelalter Leder (Pergament) oder Papyrus benutzt.
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich "Gute Nachricht" oder "Frohe Botschaft". Die ersten Christen gebrauchten dieses Wort zunächst, wenn sie von Gottes Heilshandeln in Jesus Christus sprachen. Das Wort steht z.B. im griechischen Text, wenn die Engel den Hirten die "Frohe Botschaft" von der Geburt Jesu verkündigen. Später wurden dann auch die Berichte über das Leben Jesu als "Evangelien" bezeichnet.
Eines hätte doch gelangt – die Bibel ist ja sowieso schon dick genug! Doch die 4 Evangelien sind nicht nur historische Berichte, die sich gegenseitig ersetzen könnten. Den Verfassern ging es nicht nur darum, Informationen über das Leben Jesu zu vermitteln. Sie wollten vor allem ihren Glauben an den auferstandenen Jesus Christus bekennen. In ihren Evangelien ist deshalb sehr viel davon eingeflossen, wie sie selbst Jesus verstanden haben. Außerdem schrieb jeder Evangelist sein Evangelium für seine eigene Gemeinde. Jede Gemeinde hatte aber mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen. Die Evangelisten spitzten ihre Evangelien auf die je besondere Situation ihrer Gemeinde hin zu und setzten verschiedene Akzente. Die Evangelien können deshalb auch als eine Art Dialog zwischen einem Autor und seiner Gemeinde verstanden werden.
Beim Wort "Testament" denken wir heute an Dinge wie Erbe und Hinterlassenschaft. Wer sein Erbe regeln will, schreibt sein Testament. Entfernt klingt dieser Sprachgebrauch auch in den Begriffen "Altes/Neues Testament" an. Sie sind das "Erbe", das uns die Väter und Mütter des Glaubens hinterlassen haben. Die Begriffswahl hat jedoch auch einen biblischen Hintergrund. "Testament" ist nämlich die lateinische Übersetzung des hebräischen Wortes für "Bund". Der Bund bezeichnet im Alten Testament das besondere Verhältnis Gottes zu seinem Volk Israel. Die lateinischen Übersetzer haben dieses Verhältnis als ein Rechtsverhältnis interpretiert und wählten deshalb die Übersetzung "Testamentum". Jesus ist der Begründer des neuen Bundes, des "neuen Testaments", den er beim Abendmahl einsetzt.
Diese Einteilung der Bibel ist noch gar nicht so alt. Die Aufteilung der Kapitel geht auf den englischen Erzbischof Stephen Langton zurück. Er hat im 13. Jahrhundert gelebt. Die Zählung der Verse hat der Genfer Buchdrucker Robertus Stephanus 1551 eingeführt – bei einer griechisch-lateinischen Ausgabe des Neuen Testaments. In deutschen Bibelausgaben hat sich die Einteilung in Kapitel und Verse seit dem 17. Jahrhundert allgemein durchgesetzt. Damit können alle Texte der Bibel präzise angegeben werden. Mit ein wenig Übung findet man sie ohne langes Blättern.
Auf der Welt gibt es schätzungsweise 6500 Sprachen. In 2377 Sprachen liegt die Bibel ganz oder zumindest teilweise vor. Das ist mehr als ein Drittel! Die Bibel ist damit das meistübersetzte Buch auf der ganzen Welt!
Eine Bibelübersetzung würde doch reichen! – so könnte man denken. Aber so einfach ist es nicht. Denn eine Übersetzung ist kein rein mechanischer Vorgang. Wer einen Text übersetzt, der interpretiert ihn auch immer und setzt theologische Schwerpunkte. So haben die verschiedenen Konfessionen verschiedene "Standardübersetzungen": Bei den Katholiken ist dies die so genannte Einheitsübersetzung, bei den Evangelischen die Übersetzung von Martin Luther. Die "Gute Nachricht Bibel" ist eine ökumenische Übersetzung, d.h., sich wird sowohl von katholischer als auch von evangelischer Seite akzeptiert.
Es gibt doch schon so viele!
Die vielen Bibelübersetzungen unterscheiden sich sehr stark in ihrer Sprache und Verständlichkeit. Manche sind gut verständlich, aber sehr frei übersetzt. Andere sind sprachlich sehr nah an den biblischen Originaltexten (Hebräisch für das Alte Testament, Griechisch für das Neue), dadurch aber sehr schwierig zu lesen und zu verstehen. Das ist ein Grund, warum es so viele Bibelübersetzungen gibt.
Ein anderer ist, dass sich unsere Sprache immer wieder verändert und die Leute immer weniger über die Bibel wissen.
Die neue Bibelübersetzung "Basisbibel" versucht hier eine neue Richtung einzuschlagen. Sie verwendet eine sehr einfache und direkte Sprache, hält sich dabei aber dennoch sehr nahe an die Originaltexte. Grundlegende Merkmale der Übersetzung sind:
- Klare Sprache
- Kurze Sätze
- Kurze und ausführliche Erläuterungen von zentralen Begriffen
- Direkte Verknüpfung der Infos mit dem Bibeltext in Text und Bild
Außerdem wird sie als digitale Bibelausgabe entwickelt. Auf diese Weise können benötigte Zusatzinformationen, die bei anderen gedruckten Übersetzungen in den Bibeltext einfließen müssen, direkt mit erklärungsbedürftigen Begriffen verknüpft werden.
Ein kleiner Tipp
Keine eigene Bibel?
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